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Borberg Kirchhof

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Ausgrabungen Borberg




Kapelle Borberg

Schauplatz einer 2.000-jährigen Siedlungsgeschichte

Zu den beliebtesten Wanderzielen der Briloner und vieler Urlauber gehört der 5,5 km südlich der Stadt gelegene Borberg, ein geschichtsträchtiges Stück Erde mit weitem Ausblick auf Berge, Täler und und Dörfer.
Die Borbergterrassen mit ihren Wällen, Gräben und Hügeln erregen die Aufmerksamkeit des Besuchers. Die ältesten Erdwälle stammen nach dem Befund mehrfacher Spatenforschung aus der Zeit um Christi Geburt, als germanische Stämme auf die Kelten stießen. In der Zeit Karls des Großen (8./9. Jahrhundert) wurden die Befestigungsanlagen als Mauerburg erneuert.

Sauerland Seelenort: Trauer und Erlösung

Bewaldeter Berggipfel (670 M) mit frühmittelalterlicher Ringwallanlage und Begräbnisstätte, Friedenseiche und Friedenskapelle.

Der Weg führt durch eine Art Tor. Links und rechts schützte einst ein mächtiger Wall aus sorgsam aufeinander getürmten, flachen Schiefersteinen die Schutzsuchenden vor den Angreifern. Zur Sicherheit folgt noch ein zweites Tor. Wir betreten ein weites Hochplateau. Plötzlich bleibt Dagmar Bereiter, die mich zusammen mit ihrem Mann Jochen auf den Borberg geführt hat, stehen und sagt: „Puh, ich kriege eine Gänsehaut.“ Ich sehe auf meine Arme: bei mir dasselbe! Gleichzeitig fällt mir auf, dass keine einzige Vogelstimme zu hören ist. Bis auf einen Raben, der mit heiserem Rufen eine einsame Runde um den Berg dreht. Jochen zeigt auf eine Eiche, die den vor uns liegenden Platz beherrscht: „Die hat viel Leid gesehen im Laufe ihres Lebens.“ Mir wird bewusst, dass Seelenorte ganz unterschiedliche Resonanzen auslösen können. Auch Gefühle von Trauer gehören dazu.

Dagmar, Kneipp-Animateurin und Qigong-Lehrerin, hat offensichtlich ein besonderes Gespür für Energien. „Auf dem Borberg kann ich fühlen: Hier oben sind viele Menschen gestorben, viele begraben worden.“ Das fast zwei Hektar umfassende Plateau am Rothaarsteig, inmitten von Mischwald, war im 8. Jahrhundert eine Wallburg, in die Menschen aus den umliegenden Orten flohen, wenn Feinde im Anmarsch waren. Sie nahmen alles Lebenswichtige mit, um notfalls viele Monate auf dem Berg ausharren zu können, Hausrat und Saatgut, Kühe und Hühner. Sie schafften es sogar, in dieser Höhe an das lebenswichtige Wasser zu kommen. Jochen scharrt mit den Füßen eine Eisenplatte frei, die den einstigen Brunnen abdeckt: „Die müssen viele Meter tief gegraben haben, bis sie auf Wasser stießen.“

Er erzählt von Karl dem Großen, der seine Pfalz in der Nähe, in Marsberg auf der Eresburg hatte, aber oft auf den 600 Meter hohen Borberg kam, weil er hier weit ins Ruhrtal blicken konnte. Ein mittelalterlicher Kaiser genießt die Aussicht? „Nein, ihm ging es um die strategischen Vorteile. Man konnte anrückende Verbände der feindlichen Sachsen schon von Weitem entdecken. Und die eigenen Soldaten entsprechend platzieren.“

800 Jahre später, wieder Kriegszeiten, diesmal der Dreißigjährige, wieder wurde der Berg zum Zufluchtsort. In den Tälern raffte die Pest die Menschen dahin. Die Toten wurden aufs Hochplateau geschafft und dort vergraben. Auch die Räuber, Mörder und anderen „Schandhaften“. Aus den Augen, aus dem Sinn. Blut getränkte Erde als Kraftort? Dagmar meint: „Viele Orte beziehen ihre Kraft aus Geschehnissen, die gewalttätig waren und später eine Heilung erfahren haben.“

Auf dem Borberg begann diese Transformation 1925. Gläubige Menschen wollten den Schrecken des Ersten Weltkrieges überwinden, wollten Deutsche und Franzosen, die Erzfeinde, miteinander versöhnen. Eine Kapelle wurde gebaut und der „Friedenskönigin Maria“ gewidmet. Der Friedensbund Deutscher Katholiken lud Jahr für Jahr zu Kundgebungen und gemeinsamen Gebeten ein. Der in Neheim geborene Priester Franz Stock, der sich schon als Jugendlicher für Völkerverständigung eingesetzt hatte, pflanzte 1931 eine Eiche mitten auf das Hochplateau, gemeinsam mit Menschen aus vielen Ländern, die am Ersten Weltkrieg beteiligt gewesen waren. Ein Naturdenkmal für wachsende Nächstenliebe.

Muss ein Platz kuschelige Gefühle hervorrufen, um als „Seelenort“ zu gelten? Meine beiden Begleiter verneinen. „Verlust und Trauer gehört zu unserem Leben dazu“, sagt Jochen. Und Dagmar ergänzt: „Wenn wir bereit sind, den Schmerz bewusst zu fühlen, kann er sich in positive Energie wandeln.“ Auf dem Borberg scheint sich diese Wandlung vollzogen zu haben: Aus Gewalterfahrung wurde Friedenssehnsucht.

Um diese Bewusstheit geht es ihnen, wenn sie Gruppen von Menschen durch die sauerländische Landschaft führen. Sie ermuntern dazu, inne zu halten und die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. Klingt das Rauschen in den Baumkronen hier nicht anders als zehn Meter weiter? Warum ist diese Buche gerade gewachsen, jene daneben nach rechts ausgewichen? Wie fühlt sich der Boden unter den Füßen an? Letztlich geht es gar nicht um die Landschaft. Sie ist nur ein Spiegel. Um sich darin wieder selbst zu sehen oder ganz neue Seiten an sich zu entdecken. Ein Berg als Seelenspiegel.

Autor: Michael Gleich

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