Ein "kurzer" Ausflug ins Sauerland

Wie kommt ein Essener auf den Kahlen Asten? Mit dem Rennrad. Und wie kommt er wieder nach Hause? Genau - Mit dem Rennrad. Wenn's mal wieder etwas länger sein soll...

by  , 11. August 2015

Winterberg – für einen Essener das Voralpenland des Ruhrgebiets. So nah und doch so fern. Verbunden durch die Lebensader der Ruhr. Hoch und Tief.

Mit dem Auto sind es keine zwei Stunden. Per Rad gut als Tagestour erreichbar. Mit der TorTour de Ruhr gibt es gar einen Lauf über 230km von der Ruhrquelle aus flussabwärts.

Winterberg im Hochsauerlandkreis – das ist Aktion: Start und Ziel von Mountainbikerinnen und Bikern, Skiläuferinnen und Läufern, Zielort der einstigen Rennrad Deutschland-Tour, „Hackl Schorsch“ Bob-Rekordgebiet, „WOK-WM“ Spektakel, Olympia Trainingsgebiet, Sauerländer Gebirgsverein, traditionelles Hochgebirge der Niederländer, Hüttenzauber und so weiter und so fort.

Winterberg im Hochsauerlandkreis – das ist auch Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Diese lässt sich hier vorzüglich auftanken. Auf langen Pfaden, gesäumt von klaren Bächen gelangt man durch den Eichen, Buchen und Linden Mischwald hinauf in die Nadelwälder um hier in aller Abgeschiedenheit den Sonnenauf- und Untergang genießen zu können. Zur Einkehr laden wunderschöne Fachwerkhäuser in „Golddörfern“ ein.

Kennt man als dem Ausdauersport zugetaner Essener das Bergische Land aus dem Effeff, so bietet sich eine Tour nach Winterberg – Hin und zurück in einem Stück - als willkommene Abwechslung an: wenn‘s mal wieder länger sein darf!

Ein stabiler Sommertag ohne Gewitterwarnung ist dazu die perfekte Voraussetzung. Bisher habe ich dieses Tagesabenteuer sechs Mal in Angriff genommen. Dabei ist Abwechslung Trumpf. Es lässt sich immer wieder eine neue Route mit weiteren Entdeckungen finden. Dazu das Ziel entweder eher schnell im Sinne eines Zeitfahrens durchzukommen (so ging es mir 2006 als ich abends mit Freunden zum Schauen des Fußball WM-Endspiels in Essen verabredet war und so das Tempo gehalten habe) oder möglichst viele Berge, Kilometer und neue Blickwinkel zu sammeln.

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Früh morgens an der Grugahalle in Essen - Es geht los. - © www.christoph-schmich.de

Diesmal wartet auf halber Strecke ein besonderes Highlight: ich bin mit meinem Sportkollegen Daniel Wegerich von der Sauerland-Radwelt in Bad Fredeburg verabredet um gemeinsam das Teilstück zum Kahlen Asten hinauf zu fahren. Darauf freue ich mich schon.
Der frühe Vogel pfeift: Zeit für einen großen Teller Nudeln mit Tomatenmark (das schmeckt nicht besonders, dafür trägt es zum Sonnenschutz am langen Tag bei!). Schnell einen Mini-Rucksack mit Ersatzschlauch, Werk- und Flickzeug, Broten sowie einen kleinen Kamera gepackt und auf geht es. Zunächst über die neu gepflasterte Radtrasse zur Ruhr, die mich dann für ein paar Stunden begleiten wird. Für den ersten Zwischenstopp sorgt eine Rinder-Herde beim Frühstück auf dem Radweg bei Winz-Baak in Hattingen. Gesäumt von Enten, Schwänen, Wildgänsen und Fischreihern geht es weiter zum Kemnader See. Dort erzwingt  eine große Schafsherde ohne Hirtenhund für einen weiteren Halt und bietet viel Unterhaltung.
Entlang des Harkort- und Hengsteysees führt mich der Weg durch die Lenneaue in Richtung Sauerland. Zeit für ein Panoramafoto im schönen Ort Altena bevor es über eine Art Zwischenpass hinauf nach Neuenrade geht. Weiter zur Sorpetalsperre, an der Brauerei Veltins vorbei nach Berge.

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Die Burg Altena thront hoch über der Lenne - © www.christoph-schmich.de

Die Landschaft ist hier atemberaubend – wie teilweise auch die Anstiege.

Jetzt ziehen die Temperaturen richtig an. Am Wege liegt der auch im Winter sehr schöne Homert. Bei Frielinghausen bietet sich eine gut ausgebaute Radtrasse in Richtung Bad Fredeburg an.

Dort steht der Triathlet Daniel schon frisch gespornt und fahrbereit an der Strecke. In Gesellschaft macht das fahren gleich noch mehr Spaß – dazu mit einem Ortskundigen der die schönen Strecken kennt und gut drauf ist! Bei hochsommerlichen Temperaturen und fast wolkenlosem Himmel erreichen wir über die Kehren den Kahlen Asten um hier bei einer Cola den grandiosen Fernblick von einem der höchsten Punkte Nordrhein-Westfalens genießen zu können.

Auf dem Kahlen Asten
Auf dem Kahlen Asten - © www.christoph-schmich.de

Für mich geht es unter der Panorama Brücke hinunter in den Ortskern Winterbergs um sich an der Tankstelle mit Wasser für die Rückfahrt zu versorgen – an einem so heißen Tag besonders wichtig! Über die alte Nebenstrecke geht es über Siedlinghausen nach Olsberg mit einem kurzen Fotostopp am schönen Stausee. Ab hier wird mich die Ruhr profiliert nach Arnsberg leiten. Auf diesem Teilstück lässt sich besonders gut der Wechsel der Landschaft vom Hochsauerland aus beobachten – ein Grund nicht nur schnell über die Autobahn zu rasen sondern aus eigener Kraft zu reisen.
Über einen Zwischenhügel den Müssenberg geht es nach Hüsten und Neheim. Ab Echthausen lässt sich auf Radwegen im Ruhrtal während des nahen Sonnenuntergangs die Kornernte beobachen. Hier kreuzt man zu Ehren Erik Zabels die Zabelroute. Einige Baustellen lassen mich einen Umweg über Holzwickede nach Schwerte fahren. In der Dämmerung gelange ich nach Hagen und kann hier gerade noch eine offene Tankstelle finden um die letzte Trinkflasche aufzufüllen.

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Abendstimmung im Ruhrtal - © www.christoph-schmich.de

Wie geplant wird das Akkulicht ans Rad montiert und das restliche nicht unerhebliche Teilstück bei Mondschein in Angriff genommen. Jetzt zieht es sich. Spätestens am Kemnader See stellt sich das „gleich daheim“ Gefühl ein. Ein kleiner Anfall von Müdigkeit ist auch wieder überwunden.
Hunger oder gar ein Hungerast spielt heute zum Glück keine Rolle. In der Dunkelheit erreiche ich Essen – die traditionellen Trinkhallen (für den Hochsauerländer unbekannt) haben jetzt geschlossen.

Die Trinkhallen im Ruhrgebiet haben Feierabend
Die Trinkhallen im Ruhrgebiet haben Feierabend - © www.christoph-schmich.de

Nach 383 Kilometern und 5200 Höhenmetern bin ich daheim und habe ein ganzes Bündel an Eindrücken von der Reise mitgebracht. Etwas ausgepowert, aber es war ohne Pannen mal wieder schön. Bestimmt auf ein Wiedersehen in Winterberg!

Mehr zum Autor Christoph Schmich unter www.christoph-schmich.de

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